Neues Bauen

Sennestadt – Reichow für das 21. Jahrhundert

Die Sennestadt ist ein besonderer Ort der jüngeren Stadtbaugeschichte. Der heutige Stadtteil von Bielefeld wurde 1956 ursprünglich als eigenständige Stadt in der Heidelandschaft der Senne neu gegründet. Das Land Nordrhein-Westfalen und der damalige Kreis Bielefeld hatten dazu im Weltmeisterjahr 1954 einen städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt, den der damals sehr bekannte Stadtplaner Hans Bernhard Reichow gewann. Die neue Modellstadt wurde Heimat für viele Flüchtlinge und galt im Nachkriegsdeutschland als ein gepriesenes Beispiel des »organischen Städtebaus», als fortschrittliches soziales Modell und als moderne, autogerechte Stadt der Zukunft.

Seit der Gebietsreform 1973 gehört die Sennestadt nun zu Bielefeld und kann hier mit bester Schulinfrastruktur sowie einer einzigartigen durchgrünten Stadtlandschaft glänzen. Das frühere Rathaus lebt als Sennestadthaus mit dem markanten ehemaligen Ratssaal im künstlich angelegten Teich als besonderes Wahrzeichen und öffentlicher Treffpunkt weiter.

Außenstehende verbinden mit Sennestadt insbesondere die oberflächlich erkennbaren Zeichen der Zeit, die an vielen Gebäuden der Wirtschaftswunderzeit nagen. Wer den zweiten Blick wagt, findet hier engagierte und kompetente Menschen, einen hohen Grad an Identifikation und einen starken Veränderungswillen. Dies ist auch ein Erfolg des bisherigen Stadtumbauprozesses, auf dessen Grundlage nun auch die Klimaschutzsiedlung entstehen wird.

Aus dem abstrakten Leitmotiv »Reichow für das 21. Jahrhundert« wurden greifbare Ziele für die Neubauentwicklung. Was wären Reichows Themen heute?

Klimaschutz und Verkehrswende

Effiziente Gebäude, Strom von der Sonne und Wärme aus dem Boden sparen in der Klimaschutzsiedlung 30 bis 50% Treibhausgase ein. Mit zwei Stadtbahnhaltestellen wird das Schillinggelände in Zukunft ideal an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sein. Vorrichtungen für Ladeinfrastruktur bereiten die Elektromobilität vor und der sogenannte »On-Demand-Verkehr« ANTON läuft bereits erfolgreich als Modellversuch.


Wohnen und Landschaft

Durch die Art der Waldrandgestaltung und naturnahe Gärten wachsen Wohnen und Landschaft zu einer Einheit zusammen. Sparsame Straßen und Wege in der Siedlung sowie das konsequente Versickern von Regenwasser hilft den natürlichen Bodenfunktionen. Dies alles dient ebenso wie die Auswahl klimaresistenter Straßenbäume der vorausschauenden Klimafolgenanpassung.


Wohnen und Arbeiten

Verträgliche gewerbliche und soziale Nutzungen entlang der Paderborner Straße ermöglichen eine gute Mischung von Wohnen und Arbeiten und bilden zusammen mit der zentralen Lage und Anbindung des Schillinggeländes eine sehr gute Infrastruktur. Fußläufig entfernte Schulen und Kindergärten sowie Nähe zum Einzelhandel runden das Angebot ab.


Nachbarschaft und Gemeinschaft

Das städtebauliche Konzept der überschaubaren Wohnhöfe fördert nachbarschaftliche Identität mit einem guten Verhältnis von Gemeinschaftsflächen und privaten Rückzugsorten.
Die Angebote für öffentlich geförderten Wohnungsbau sorgen für Chancen und soziale Mischung.

»Reichow für das 21. Jahrhundert« bedeutet für uns, die städtebauliche und soziale Idee der Sennestadt zeitgemäß fortzuentwickeln.

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