Willkommen im grünen Bereich
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Organisches Stadtplanungskonzept der Sennestadt

Unter dem Namen »Organische Stadtbaukunst« veröffentlichte der Stadtplaner Hans Bernhard Reichow (1899-1974), damals in Hamburg tätig, 1948 sein Konzept für neu zu bauende Stadtteile oder Städte „auf der grünen Wiese“. 1953 gewann er mit einem an die hiesige Landschaft angepassten Konzept den Wettbewerb für den Bau einer neuen Stadt südlich von Bielefeld. 1956-1965 durfte er als Bauleiter die Umsetzung seines Konzepts beim Bau der Sennestadt überwachen.

Die folgende Tabelle zeigt fünf Leitsätze der organischen Stadtbaukunst nach Reichow und ihre jeweilige Umsetzung in der Sennestadt:

  Leitsatz Umsetzung
1. Die neue Stadt fügt sich in die vorgegebene Landschaft ein und nutzt Landschaftselemente, z. B. Wasserläufe, um die Stadt in überschaubare Teile zu gliedern. Das „Grüne Kreuz“ aus Bullerbachtal und einer quer dazu verlaufenden Senke, die durch Sandabgrabungen beim Bau der Autobahn 2 entstanden ist, gliedert die Sennestadt in vier Teile: Nordstadt, Weststadt, Oststadt und Südstadt. Im Ost-West-Grünzug entstanden Sport- und Spielplätze.
2. Das Straßennetz folgt dem Prinzip der Verästelung in einem Blatt und hält den Autoverkehr „auf natürliche Weise“ flüssig. Vom zentralen Sennestadtring zweigen Vennhofallee/Rheinallee und Elbeallee als Hauptachsen ab, von diesen wiederum rund 25 kleine Stichstraßen. Sie bilden keine Kreuzungen, sondern spitzwinklige Einmündungen.
3. Fuß- und Radwege verlaufen von den Straßen getrennt. Sie sind überall durchgängig und werden nicht von Privatgrundstücken unterbrochen. Dutzende von Fußwegen verbinden die Gebäude von Stichstraße zu Stichstraße. Hauptfuß- und Radwege verlaufen durch das grüne Kreuz und am südöstlichen Außenrand.
4. Die Gebäude folgen keinem starren Zeilenplan, sondern fächern sich in veränderlichen Winkeln zueinander auf. Das trifft auf alle Gebäude zu.
5. Die Wohnungen sind so ausgerichtet, dass die Wohnzimmer nachmittags oder abends, wenn die Bewohner zu Hause sind, Sonne haben. Die Balkone sind leicht voneinander abgewandt, um die Intimität zu wahren. Das trifft auf alle Wohnungen zu.
6. Einzel-, Doppel-, Mehrfamilien- und Hochhäuser mischen sich so, dass keine Ghettos entstehen. Die Mischbebauung ist z. B. an der Ecke Elbeallee/Travestraße gut zu sehen. Der Journalist Dieter Burkamp sagte dazu: „Es gibt in Sennestadt keinen Stadtteil, über den man die Leute naserümpfend sagen hören kann: Da wohnt man doch nicht…“
7. Gewerbeflächen befinden sich möglichst nah an den Wohngebieten, ohne diese aber zu stören. So wird vermieden, dass reine Schlafstädte entstehen. Beim Bau der Sennestadt herrschte der Grundsatz: Für jeden Einwohner gibt es auch einen Arbeitsplatz. In diesem Sinne wurde Industrie und Gewerbe im Norden an Lämershagener und Verler Straße, im Süden an der Gildemeisterstraße angesiedelt. Neuerdings kommt das Gewerbegebiet Beckhof hinzu.